Facebook Timeline: Ein Stürmchen im Wasserglas

Die allseits bekannte Firma Facebook hat, nachdem es bisher ein Opt-In Feature war, nun angekündigt, alle Profile auf die so genannte Timeline umzustellen.

Die mediale Reaktion darauf ist, wie häufig bei Änderungen an sehr verbreiteter Software, sehr unterschiedlich. Während einige Artikel (wie hier neunetz.com) die Veränderungen als “persönlicher[es]” Facebook sieht, so regt sich an vielen Stellen eine starke Ablehnung.

Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein, bezeichnet die Einführung als “ultradreist”, auf Twitter kündigen einige Menschen die Löschung ihres Facebook Accounts an. Was ist passiert, bzw. was hat sich verändert?

Ohne Einwirken des Nutzers verändert sich durch Timeline nur die Präsentation der schon vorhandenen Daten. Man kann, wenn man möchte, in Timeline noch weit mehr strukturierte Daten über das eigene Leben eingeben (Umzüge, Jobwechsel, Krankheiten usw), doch “automatisch” passiert da nichts.

Alles was Facebook tut ist, die sowieso vorhandenen Daten in einer für Menschen erfassbareren und anhand der zeitlichen Abfolge auch logisch besser verstehbaren Form darzustellen. Facebook stellt für den Nutzer also signifikant mehr Transparenz über vorhandene Daten her: Durch Timeline weiß ich noch genauer, was Facebook eigentlich über mich gespeichert hat.

Vor der Öffentlichmachung der Timeline eines Nutzers wird diesem eine Woche Zeit gegeben, seine oder ihre Timeline zu “säubern” und Inhalte aus ihr zu entfernen. Der Nutzer hat also die vollständige Kontrolle darüber, was in der Timeline sichtbar sein wird. Genauso greifen (wie wirksam sie auch immer sein mögen) die Zugriffsbeschränkungen von Facebook weiterhin: Erlaube ich den Zugriff auf mein althergebrachtes Profil nur “Freunden”, so können auch nur “Freunde” meine Timeline sehen.

Die Aufregung um Timeline ist also nicht nur fehlgeleitet sondern sogar kontraproduktiv: Timeline zeigt Nutzern deutlicher als bisher möglich, welche Daten Facebook über sie hat. So können sie selbstbestimmt und ihren persönlichen Bedürfnissen entsprechend die Darstellung der Daten über sie für die Öffentlichkeit anpassen. Warum daher die Datenschutzfraktion Timeline nicht mit offenen Armen begrüßt, will sich mir nicht erschließen.

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11 Antworten zu Facebook Timeline: Ein Stürmchen im Wasserglas

  1. Nachtwaechter schreibt:

    Ich habe mich gestern schon den ganzen Tag darüber gewundert, aus wie viel Nichts die Presse mechanisch Artikel generieren kann — es gibt ja ganz andere Facebook-Themen, die der kritischen Betrachtung würdig wären. Aber noch schöner als dieses textgestaltige Nichts um heiße Luft fand ich die besonders hohlköpfigen Bebilderungen derartiger Artikel

  2. Jan Dark schreibt:

    Ich kann auch nicht erkennen, welche Substanz die scharfen Worte aus Kiel haben sollen. Es sieht eher so aus, als wenn Weichert einen persönlichen Feldzug gegen Facebook führt und den Datenschutz der Bürger darüber vernachlässigt. Vorige Woche hieß es:”Weichert: „Gehört IHK zu den Ewiggestrigen oder will sie eine moderne Informationsgesellschaft?“”
    Zu 0zapftis schweigt er nach wie vor brutalst möglich, obwohl auch Schleswig-Holstein betroffen war, aber fast im Wochentakt gibt es neues von Facebook, dass dann von der Regierung, den Parlamenten und Gericht so nicht geteilt werden. Währenddessen sehen wir, dass in Irland und USA die Datenschützer bei Facebook für die Bürger arbeiten.

    Es ist völlig unnachvollziehbar, dass Weichert es für “ultradreist” hält, wenn Facebook sein Produkt ändert. Ich habe vorhin die Timeline eingerichtet, das Überfliegen der Daten dauerte 4 Minuten. Es war nichts dabei, was ich nicht schon vorher veröffentlicht habe. Ich stimme der Spackeria nicht in allen Aussagen zu, aber bei Facebook, wo die Bürger mit Absicht was publizieren, sollte das Recht auf Meinungsfreiheit im Vordergrund stehen. Wenn ich was in Facebook publiziere, ist das was anderes, als wenn der Staat mich mit großem oder kleinem (0zapftis) Lauschangriff im Wohnzimmer oder in der Schule (Schultrojaner) beschnüffeln will.

    Auch der EU-Entwurf von Reding geht in eine esoterische Richtung. Es wird sogetan als wenn bürgerliches Publizieren bei Facebook das gleiche wäre wie schützenwerte Daten bei meinem Arzt. Das ist absurd. Wenn man das auf Bücher übertragen würde, hieße das, dass das “Recht auf Vergessen” die Bücherverbrennung des 21. Jahrhunderts ist. Autoren sollen das Recht bekommen, von den Lesern ihrer Bücher gesagt zu bekommen, zu welchem Zweck sie die Bücher sich besorgen, wie lange sie sie aufbewahren wollen und wann sie sich verbrennen dürfen? Für mich hört sich das eher so an, als wenn die Politiker für sich jetzt die Bundeslöschtage legitimieren wollen (Helmut Kohl ließ im Bundeskanzleramt 1998 enthemmt alle Festplatten löschen, worauf Otto Schily die Registraturrichtlinie erließ, nach der Löschen verboten ist) frei nach dem Motto: Was interessiert mich mein Gewäsch von gestern. Absurd ist, dass Äusserungen von Politikern in Zeitungen nicht gelöscht werden sollen, in Facebook aber die gleichen Äußerungen nach der Wahl wieder raus können. Das ist rückwärtsgewandte Papierlobbyisten-Politik, keine moderner Datenschutz im digitalen Zeitalter.

  3. Thorsten schreibt:

    Naja, bei vielen Menschen — besonders den “Datenschützern” — setzt offenbar das, was man gern als den “gesunden Menschenverstand” bezeichnet, regelmäßig aus, wenn jemand das Reizwort “facebook” in den Ring wirft.

    Gerade bei Thilo Weichert nimmt das bisweilen ja ganz gern fast schon religiös-fundamentalistisch anmutende Züge an — der aktuelle Aussetzer ist ja nicht sein erster in dieser Hinsicht. Bildlich stelle ich mir das etwa so vor:

    http://goo.gl/5QGgO

  4. schmollti schreibt:

    Ich verstehe nicht, warum man sich nicht aussuchen kann, ob man timeline will oder nicht. Und so wie ich es verstehe, kritisiert auch Weichert nur das, völlig zurecht. Weil facebook “versprochen” hatte (großes Zuckerberg-Ehrenwort, lol), dass künftig solche Dinge den Usern nicht aufgedrückt, sondern angeboten werden. Naja, war halt gelogen wie so vieles andere.

    • Jan Dark schreibt:

      “Ich verstehe nicht, warum man sich nicht aussuchen kann, ob man timeline will oder nicht. Und so wie ich es verstehe, kritisiert auch Weichert nur das, völlig zurecht.”
      Facebook bietet ein kostenlos zu nutzendes Produkt an. Wenn die wollten, könnten die das Ding morgen zu machen oder nicht. Wenn sich Weichert heuchlerisch in seiner antiimperialistischen grünen Fundi-Hasskampagne gegen US-Unternehmen über Produktmerkmal aufregt, dann hat das nichts mit Datenschutz zu tun. Er missbraucht sein Amt für seinen Religionsfeldzug. Er wullft am Amt schmarotzend.
      “Optimierte Verantwortungslosigkeit nannte er auf der Sommerakademie 2011 das Grundprinzip seines Hassfeldzuges. Seine Verschwörungstheorie über Obama hält er auch nicht hinter dem Berg auf Kosten der Steuerzahler:
      “Dabei verfolgt z. B. die US-Regierung ein m. E. durchsichtiges Kalkül: Das Leugnen und Ignorieren informationeller Selbstbestimmung insbesondere gegenüber europäischen Bürgerinnen und Bürgern bringt politisch wie ökonomisch Nutzen: Die informationelle Ausbeutung – auch in Europa – verschafft US-Unternehmen, die sich an europäisches oder nationales Recht nicht gebunden fühlen – und damit indirekt der US-Gesamtwirtschaft – immer noch Vorteile auf dem Weltmarkt.”

      https://www.datenschutzzentrum.de/sommerakademie/2011/sak2011-weichert-eroeffnungsrede.pdf

      Weichert führt seinen privaten Wirtschaftskrieg, während er beim Schutz der Bürger vor 0zapftis schlampt. Sein Webauftritt ist zugemüllt mit Facebook-Hass. Kein einziger Ton kommt zu echten Datenschutzproblemen, nur noch um das Aussehen von Facebook. Langsam wird man sich Gedanken müssen, ob man ihn nicht noch vor Ablauf seines Vertrages abberuft, da er sein Amt so schleifen lässt und er den Bürger in Schleswig-Holstein wegen der Facebook-Hasskampagnen nicht mehr für den Datenschutz zur Verfügung steht.

      • schmollti schreibt:

        Ach du liebe Güte.

        • Thorsten schreibt:

          Naja — aber Jan hat Recht. Bei den wirklich interessanten Themen (Vorratsdatenspeicherung, Passierdatenübermittlung etc.) ist von Weichert NICHTS (null, nada, nüschte) zu hören.

          Da ist es schon sehr seltsam zu sehen, wie der Mann sich in Sachen Facebook in eine nicht zu erklärende Hysterie hineinsteigert.

          • Schmollti schreibt:

            Moment: Es ging hier um die Frage “ist Weicherts Facebook-Kritik stichhaltig”. Also hat Facebook den irischen Datenschützern und den
            Usern kackendreist falsche Zusagen gemacht, darf der Quasimonopolist seine User und die Gesetze so verarschen, darf man sich nicht beschweren, weil es ja gratis ist, sind die facebooker nur dumme eitle Lemminge, usw.

            Die Frage “sollte Weichert auch andere Themen mehr bearbeiten” ist ein völlig anderes Problem, bzw. hier nur ein Ablenkungsmanöver, denn das hat ja nix mit der facebook timeline zu tun..

  5. Schmollti schreibt:

    Lesetip:

    I’m all for sharing, but why the online obsession with revealing every detail of your life?

    http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2012/jan/29/sharing-obsession-revealing-every-detail

    “All this sharing served a purpose. It kept the community fed, as well as entertained and informed. Now zip forward to the present day and, like I say, sharing has somehow got all out of whack.”

  6. Jan Dark schreibt:

    @Schmollti
    Du hast offenbar die Quelle nicht gelesen. Thilo Weichert soll laut FAZ gesagt haben:
    “Das Verhalten von Facebook ist ultradreist. Es steht in absolutem Widerspruch zu den Zusicherungen, die der Konzern dem irischen Datenschutz gegenüber gemacht hat. Diese lauteten nämlich, dass bei einer Veränderung der Profileinstellungen die Einwilligung des Nutzers eingeholt wird. Jetzt wird die Timeline allen Facebook-Nutzern aufgezwungen.”
    Thilo Weichert ist redet Unsinn. Facebook hat mit dem irischen Datenschutzbeauftragten über Datenschutzfragen gesprochen. Mit der Einführung der Timeline wird keine einzige Profileinstellung personenbezogener Daten geändert. Weichert redet wie immer böswillig täuschend in seinem Wirtschaftsfeldzug gegen US-Unternehmen groben Blödsinn. Und Du fällst auf diesen Demagogen rein.

    Ich hab die Umstellung gemacht. Nicht ein einziges meiner personenbezogenen Daten wird nun entgegen den irischen Zusagen oder entgegen meiner Zustimmung zusätzlich gezeigt. Es werden nur Sachen gezeigt, die auch schon vorher öffentlich waren,. Es liegt also gar keine datenschutzrechtliche Problematik vor. Weichert ist nur ultradummer Demagoge, der zu feige ist, Facebook unter seinen eigenem Namen zu benutzen und mit seinen halbgaren Wissenslücken die Bürger verunsichert (heimlich treibt er sich aber nach eigener Aussage unter Pseudonym auf Facebook rum).

    Weichert gehört in die selbe Kategorie Internethasser wie #Heveling: amoklaufenden Demagogen. Gott sei Danke läuft sein Vertrag bald aus und er muss seien grüne Fundipolitik des antiimperialistischen Kampfes gegen die US-Regierung unter eigener oder grüner Flagge fahren, statt die Bürger unter falscher Flagge des Datenschutzes zu terrorisieren mit Bußgeldnötigungen. Dann können wir uns wieder um echten Datenschutz kümmern statt diese Antiimphetze auf Staatskosten ertragen zu müssen.

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